Lebenslust beim Tanz in den Mai

Zu den  Klängen altervertrauter Musik lässt sich gut ein Tänzchen wagen

Lebenslust beim Tanz in den Mai –trotz Alter oder Demenz

Ründeroth.

„Darf ich bitten?“ Mit einem Walzer eröffneten die frisch gewählte Maikönigin Gerda Gröger und ihr Maikönig Hermann Pfeffeköver den „Tanz in den Mai“ der Alternativen Tagespflege in den historischen Räumen des Baumhofs.

Bald drehten sich auf der Tanzfläche weitere Paare zu den Klängen altvertrauter Musik – liebevoll unterstützt und ermutigt von einigen Pflegekräften. Denn Musik bringt in Schwung und weckt positive Gefühle, selbst wenn die Kräfte abnehmen oder wenn dementiellen Veränderungen das Leben beeinträchtigen. Für fast alle Menschen - sowohl mit als auch ohne Demenz - hat Musik sehr viel mit Lebensfreude und Lebensqualität zu tun.

Die Alternative Tagespflege Baumhof hatte am 29. Mai ihre insgesamt 35 Tagesgäste samt Angehörigen bei Kaffee und Kuchen und alkoholfreier Maibowle zu einem bunten Programm rund um altes Mai-Brauchtum eingeladen. Zur Feier des Tages war das geräumige Wohnzimmer der Tagespflege-Einrichtung in ein gemütliches Café mit Tanzfläche umgestaltet worden. Denn: Essen und Trinken, Gemeinschaft erleben, Singen, sich zur Musik bewegen und Anteilnehmen, an dem, was „draußen“ vor sich geht, das ist auch für Menschen wichtig und möglich, die das Angebot der Tagespflege für sich in Anspruch nehmen, weil sie der Einsamkeit entkommen wollen, weil sie im Alltag auf Hilfe angewiesen sind oder weil ihre körperlichen und geistige Fähigkeiten weniger werden.

Zum Wohl - Waldmeisterbowle darf nicht fehlen

„Ich komme sehr gerne hierher, hier sitzt man nicht einfach rum“, bekundete etwa Heidrun Hoffeins. Sie gehört zu einem Grüppchen von Tagesgästen, das unter Leitung von Betreuungskraft Monika Fraunhofer mit zwei Frühlingsliedern das Programm bereicherte. Künftig, so Heidrun Hoffeins Vorschlag, solle es regelmäßig einen Chor geben. Mit „Die Agger-Amseln“ hatte sie auch gleich einen launigen Vorschlag zur Namensgebung parat.

Für Angehörige bietet die Tagespflege zeitliche Freiräume, in denen sie durchatmen können oder manches regeln können, für das die oftmals nötige Rund-um-die-Uhr -Betreuung eines kranken Partners weder Zeit noch Kraft lässt. „Heute weiß ich, dass es keineswegs etwas mit ‚Abschieben‘ zu tun hat, wenn jemand zur Tagespflege angemeldet wird“, so Angehörige Irmgard Hess, die den Tanz in den Mai gerne auch zu einem Gespräch mit Tagespflege-Mitarbeiterin Marianne Grote nutzte.

​In heiterer Atmosphäre lässt sich gut reden

Für Marianne Grote, die als gerontopsychiatrische Fachkraft seit Januar sehr gerne im „Baumhof“ arbeitet, geht es in der Tagespflege keineswegs um „Verwahren“ der Gäste, sondern um Betreuen und Aktivieren der (noch) vorhandenen Fähigkeiten. Dabei hilft aus ihrer Sicht auch der gute Personalschlüssel in der Einrichtung. „Auf unsere 14Gäste, die wir pro Tag hier betreuen, kommen bis zu 4 Betreuungskräfte. Das habe ich so noch nicht erlebt“, freut sie sich.

Auch Kollegin Monika Fraunhofer liegt daran, jeden Gast als individuellen Menschen mit einer eigenen Lebensgeschichte zu sehen, selbst wenn vielleicht vieles „versunken“ zu sein scheint. „Wir erleben etwa, dass demenzkranke Frauen nur auf eine Anrede mit ihrem Geburtsnamen reagieren. Wir versuchen deshalb, möglichst viel aus der Vergangenheit der Gäste zu wissen und daran anzuknüpfen“, erzählt sie.

Monika Fraunhofer hat  für sich selbst beschlossen, heute schon aufzuschreiben, was im Falle ihrer Demenzerkrankung für andere wichtig zu wissen sein könnte „Ich kann überhaupt nicht leiden, über Kopf geduscht zu werden“, lacht sie. Dann geht sie geht zurück auf die Tanzfläche, greift eine Rollstuhlfahrerin bei den Händen und wiegt sich mit ihr zu den Walzerklängen. kv

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